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Darius Götsch bei einem Vortrag

Natur sehen. Weisheit verstehen. Menschen stärken.

Foto:KCF/Boillot

Ich glaube an Gott. An die Weisheit. Und an die Kraft guter Bilder.

Seit Jahrzehnten zieht es mich hinaus in den Wald. Dort suche ich Bilder und Weisheiten, die Menschen helfen, klarer zu sehen, besser zu führen und tiefer zu leben.

Ich fotografiere. Ich schreibe. Ich spreche. Alles mit einem Ziel: Schönheit sichtbar zu machen und Weisheit im Alltag zu verankern.

Manche Erfahrungen waren schwer.
Andere wunderschön.

Ich bin dankbar für alle, denn sie alle haben mich zu dem gemacht der ich heute bin.

Wassertropfen am Grass

Drei Erkenntnisse aus meiner Jugend in Polen, die mich bis heute prägen

Es gibt immer eine Lösung.

Meistens gibt es sogar eine bessere.

Ich bin im sozialistischen Polen aufgewachsen – in einer Welt des Mangels. Wir warfen nichts weg. Wer etwas erreichen wollte, musste improvisieren, reparieren und kreativ denken.

Damals habe ich gelernt: Probleme gehören zum Leben. Sich über sie zu beschweren, kostet nur Kraft. Fast immer gibt es eine Lösung. Und wer lange genug sucht, findet oft sogar eine bessere.

Gość w dom, Bóg w dom.

Im Gast begegnet uns Gott.

Gastfreundschaft war für uns selbstverständlich. Auch wenn wir selbst wenig hatten. Dieses alte polnische Sprichwort erinnert mich bis heute daran, Menschen so zu begegnen, als würde Christus selbst vor der Tür stehen.

Manchmal verändert schon ein offenes Ohr, ein Danke, ein Geschenk oder eine kleine Geste mehr als tausend Worte. Heute bin ich überzeugt, dass Großzügigkeit dort beginnt, wo wir Menschen nicht nach ihrem Nutzen beurteilen, sondern ihnen mit Wertschätzung begegnen.

Es gibt einen Gott.

Und ich bin es nicht.

Siebzehn Jahre lang war ich überzeugter Atheist. Ich hielt den Glauben für eine Illusion. Doch irgendwann wagte ich einen ehrlichen Blick auf meine eigenen Überzeugungen.

Diese Suche führte mich zu Jesus Christus. Seitdem prägt der christliche Glaube mein Denken, mein Leben und meine Arbeit.

So verstehe ich Weisheit nicht mehr als Sammlung kluger Gedanken, sondern als Vertrauen darauf, dass es jemanden gibt, der die Welt besser versteht als ich. Weisheit ist Gebrauchsanweisung für ein gutes Leben.

Kreativität, Resilienz und Demut begleiten mich bis heute.

Der Wald wurde mein nächster Lehrer

Waldinsel

Im Wald verwurzelt.

Drei Erkenntnisse aus meinem Studium der Forstwissenschaften

Der Wald verändert die Welt.
Und oft auch die Menschen.

​Das Beste an meinem Studium waren nicht die beiden Universitäten mit ihren großartigen Professoren. Es waren die Wälder Polens und Deutschlands. Dort lernte ich weit mehr als Botanik, Wildbiologie oder Waldbau.

 

Der Wald wurde zu meinem Lehrer. Er zeigte mir, wie Wachstum entsteht, warum Geduld stärker ist als Hektik und weshalb langfristiges, generationenübergreifendes Denken so sinnvoll ist.

Je tiefer ich den Wald verstand, desto mehr begann ich zu verstehen: Ich ernte heute, was andere gesät haben. Und ich pflanze, damit Menschen in zweihundert Jahren ernten können.

Ressourcen folgen dem Erfolg.
Was nicht wächst, ist tot.

Im Wald wird nicht gleichmäßig verteilt. Ressourcen fließen dorthin, wo Wachstum entsteht. Äste, die dauerhaft keine Frucht mehr bringen, sterben ab.

Diese Erkenntnis begegnet mir bis heute überall. Was über lange Zeit keine Frucht mehr trägt, braucht den Mut zur Veränderung.

Auch in meinem eigenen Leben lasse ich Dinge sterben – früher, bewusster und ohne Reue. Nur so entsteht Raum für Neues.

 

Zusammen.
Der Wald hat kein Netzwerk. Der Wald ist ein Netzwerk.

Die Gemeinschaft der Bäume verändert ihr eigenes Klima. Sie dämpft Hitze, erhöht die Luftfeuchtigkeit, speichert Wasser und schafft Lebensraum. Kein Baum könnte das allein. Erst gemeinsam entsteht ein Wald. Wie viel mehr könnten wir Menschen bewirken, wenn wir gemeinsam dem Guten verpflichtet unseren Beitrag leisten würden?

Im Wald schenkt jeder und wird zugleich beschenkt. Großzügigkeit, so weit das Auge reicht. Je länger ich den Wald beobachtete, desto häufiger entdeckte ich dieses Prinzip auch unter Menschen.

Seitdem versuche ich, Großzügigkeit bewusst zu leben. Denn ich glaube: Wer großzügig sät, wird irgendwann reich beschenkt.

Weitsicht, Veränderungsbereitschaft und Großzügigkeit – ohne diese drei Erkenntnisse wäre ich arm. Und arm dran.

Dann begann ein neues Kapitel: Verantwortung wurde mein Beruf

Ein Star mit Futter für die Jungen

Verantwortung für Menschen lernte ich spät.

Sehr spät. Zu meiner Entschuldigung: Dafür braucht es viel Reife.

Und manche Führungskräfte lernen sie nie.

Es gewinnt immer das Team.
Die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft ist nicht, selbst der Beste zu sein.

Während meiner beruflichen Laufbahn – die ich meiner Familie zuliebe nicht im Wald, sondern in der Sozialwirtschaft verbrachte – entwickelte ich mich Schritt für Schritt vom Verwalter zum Gestalter.  Schließlich durfte ich Verantwortung für bis zu 600 Mitarbeitende übernehmen.

Dabei habe ich gelernt: Die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft besteht darin, Menschen zu finden, die besser sind als man selbst, sie wachsen zu lassen und gemeinsam erfolgreich zu werden.

Erfolg ist fast nie die Leistung eines Einzelnen. Er entsteht dort, wo Menschen einander ergänzen, vertrauen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Kennzahlen sind wichtig.
Zahlen erzählen aber nie die ganze Geschichte.

Als Finanzverantwortlicher war ich zuerst vor allem hinter den Zahlen her. Ich verstand sie gut – und gab ihnen lange Zeit zu viel Bedeutung.

Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch.

Kennzahlen helfen, Entwicklungen zu erkennen. Aber sie erzählen nichts über Hoffnung, Angst, Motivation oder Vertrauen. Wer nur Zahlen optimiert, verliert leicht den Blick für das Wesentliche.

 

Gute Führung verbindet analytisches Denken mit echter Menschlichkeit. Und sie weiß, wie leicht sich Zahlen manipulieren lassen.

 

Die richtige Frage stellen.
Und erst dann sich viel Zeit für die Antwort nehmen.

Auch diese Erkenntnis kam spät. Zu spät. Lange suchte ich schnelle Erklärungen und schnelle Lösungen.

Heute frage ich. Und frage weiter.

Erst wenn die richtige Frage im Raum steht, beginnt die Suche nach einer wirklich guten Antwort.

 

Exzellente Führung entsteht nicht dadurch, dass man alles weiß. Sondern dadurch, dass man bereit ist, immer tiefer zu verstehen.

Die richtigen Menschen finden. Vertrauen schenken. Die richtigen Fragen stellen. Heute weiß ich: Dieser Dreiklang ist Gold wert.

Die Familie lehrte mich Liebe

Zwei Eichhörnchen im Baum

Nirgendwo habe ich mehr gelernt als in meiner Familie.

Nirgendwo bin ich mehr gescheitert.

Nirgendwo bin ich mehr gewachsen.

Liebe ist kein Gefühl.
Es ist der ungebrochene Wille, den anderen höher zu achten und gemeinsam eine Lösung zu finden.

Natürlich gab es auch schwierige Zeiten in den fast 40 Jahren unserer Ehe. Liebe bedeutet für mich nicht, immer einer Meinung zu sein. Sie ist auch ein Kampf. Vor allem gegen mein eigenes Ego. Aber auch um meine eigene Stärke.

 

Denn ich kann nur das weitergeben, was ich selbst besitze.

Kinder sind ein großer Segen.

Und gleichzeitig eine schwere Aufgabe.

Zusammen mit meiner Frau durfte ich drei wunderbare Kinder großziehen, die heute alle als Ärzte arbeiten. Offenbar war ich als Vater weniger überzeugend als der Großvater in Polen, der als Arzt den Menschen diente. Er war mein größtes Vorbild. Wie dankbar ich bin, dass ich von meinem Schwiegervater lerne durfte!

Ich erinnere mich gut an die Zeit mit kleinen Kindern, Haus und Karriere. Heute sehe ich dieselbe Herausforderung bei meinen eigenen Kindern. Fast bei jedem Treffen sage ich ihnen, wie sehr ich sie bewundere.

 

Erst als Großvater habe ich verstanden, wie groß die Leistung guter Eltern wirklich ist.

 

Liebe braucht Persönlichkeit.
Und Einsamkeit.

Wer sich selbst aus der Gleichung der Liebe streicht und nur gibt, wird irgendwann merken, dass immer weniger übrig bleibt, was er verschenken kann. Irgendwann ist der innere Vorrat erschöpft.

Deshalb gehe ich fast täglich allein in den Wald. Ich bete. Ich denke nach. Ich wachse.

Für mich beginnt Liebe mit einer gesunden Liebe zu sich selbst und vollendet sich darin, das weiterzugeben, was in der Stille nachgewachsen ist. Ich kann jedem nur empfehlen, Jesus beim Wort zu nehmen, als er sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Liebe bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben. Sie beginnt damit, innerlich reich zu werden – und verschenkt dann großzügig, was in der Stille gewachsen ist.

Schließlich lernte ich, Gedanken in Worte zu fassen.
Drei Erkenntnisse aus meinem Leben als Autor

Ein Fuch auf einer Wiese

Schon in der Schule schrieb ich gerne. Dennoch war Mathematik lange meine größere Stärke. Erst viel später erkannte ich, dass ich mit Worten und Bildern Menschen etwas schenken kann. Seitdem verbinde ich die Freiheit des Künstlers mit der Präzision des Mathematikers.

Dem Wachstum verpflichtet.
Mein bestes Buch liegt noch vor mir.

Ich durfte Bücher schreiben, Kolumnen veröffentlichen und für Tageszeitungen und Magazine arbeiten.

Am Anfang gehörten die Absagen der Verlage zu den größten Enttäuschungen meines Lebens. Doch ich habe nicht aufgegeben. Ich bin lieber ein Optimist, der sich irrt, als ein Pessimist, der recht behält. Und ich glaube an Wunder.

Solange ich lerne, beobachte und staune, glaube ich, dass mein wichtigstes Buch noch geschrieben werden kann.

Erfolg ist harte Arbeit.
Und immer auch ein Geschenk.

Fleiß und ein gutes Produkt sind unverzichtbar. Eine Garantie sind sie trotzdem nicht.

Erfolg entsteht nie allein durch Leistung. Zur richtigen Zeit braucht es Menschen, die Vertrauen schenken, Türen öffnen oder an einen glauben.

Je älter ich werde, desto gelassener sehe ich meine Misserfolge. 

 

Niemals festhalten.
Immer bereit für etwas Besseres.

Nicht bei meiner Familie. Nicht bei meinem Glauben. Aber fast überall sonst.

Ich habe schon einmal meine Heimat hinter mir gelassen. Deshalb weiß ich: Fast alles kann ersetzt werden.

Als meine ersten Manuskripte von den Lektoren mit roten Korrekturen zurückkamen, wollte ich mich verteidigen. Später erkannte ich, wie wertvoll gute Kritik ist. Heute versuche ich loszulassen, zuzuhören und mich verbessern zu lassen.

Nicht alles, was wir erschaffen, darf bleiben. Manches muß gehen, damit etwas Besseres entstehen kann.

Hoffnung, Durchhalten und Loslassen – ohne diese drei Erkenntnisse wären nicht nur meine Bücher Makulatur.

Heute versuche ich, Weisheit und Schönheit in einem einzigen Bild zu vereinen.
Drei Erkenntnisse aus meinem Leben als Naturfotograf

Wasserfall und Regenbogen

Ich fotografiere nicht, um Bilder zu sammeln. Ich gehe hinaus, um zu staunen. Ich glaube, dass Schönheit und Weisheit Menschen verändern. Deshalb versuche ich, beides sichtbar zu machen.

Technik ist fast bedeutungslos.
Entscheidend ist, wer durch den Sucher schaut.

Natürlich arbeite ich heute mit modernster Kameratechnik. Doch gute Bilder entstehen nicht durch gute Kameras.

Sie entstehen durch Achtsamkeit, Geduld, Verbindung zur Natur, Verständnis – und durch das Geschenk des richtigen Augenblicks.

Fehler sind Schritte.
Über 90 Prozent meiner Bilder lösche ich wieder.

Ich verwerfe den größten Teil meiner Arbeit. Nicht weil die Bilder schlecht sind.

Sondern weil sie noch nicht gut genug sind.

Jedes misslungene Bild bringt mich dem nächsten guten ein Stück näher.

Exzellenz entsteht selten durch Talent. Sie entsteht durch Ausdauer.

Ein gutes Bild braucht eine Seele.
Ein Bild soll nicht nur zeigen. Es soll etwas ausstrahlen.

Mich interessiert weniger, was auf einem Bild zu sehen ist, als das, was ein Bild im Menschen auslöst.

Ich fotografiere nicht nur Tiere oder Pflanzen. Ich versuche, Schönheit und Weisheit sichtbar zu machen. Jedes Bild soll etwas zum guten Leben beitragen: Schönheit. Hoffnung. Geduld. Freude. Vertrauen. Oder Weisheit.

Erst dann wird aus einem Foto – jedenfalls für mich – ein Kunstwerk.

Heute versuche ich mit jedem Bild, jedem Buch und jedem Vortrag Menschen zu helfen, Schönheit zu entdecken und das Gute zu sehen.

Denn ich glaube: Beides ist längst da. Wir müssen nur lernen, hinzusehen.

Wenn du bis hierher gelesen hast, danke ich dir von Herzen.

Vielleicht begegnen wir uns irgendwann im Wald, bei einem Vortrag oder in einer Ausstellung.

Bis dahin wünsche ich dir Gottes Segen und viel Freude an meinen Bildern und Büchern.

Darius Götsch beim Vortrag

Als Geschäftsführer und Regionalvorstand trug Darius Götsch Verantwortung für bis zu 600 Mitarbeitende.

 

Heute verbindet er als Redner, Autor, Naturfotograf und Gründer von WaldFührung die Weisheit des Waldes mit den Herausforderungen des Berufs- und Alltags.

 

Seine Vorträge führten ihn unter anderem auf den großen europäischen Führungskongress KCF.

 

Seine Bücher, Fotografien und Kolumnen erscheinen in Verlagen, Zeitungen und Magazinen.

Seine Wildlife-Fotografien wurden mehrfach ausgezeichnet, ausgestellt und finden sich heute als hochwertige Kunstdrucke in Unternehmen, Praxen und privaten Wohnräumen.

Darius Götsch ist Diplom-Forstwirt (Uni), Jahrgang 1966, und lebt mit seiner Familie am Waldrand bei Bamberg.

Foto Vortrag: © KCF / Boillot

Das Gute ist da.
Lernen wir, es zu sehen.

Einmal im Monat: eine besondere Naturbeobachtung, ein klarer Gedanke für Führung und Leben sowie Neuigkeiten zu Bildern, Büchern und Veranstaltungen.

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